Sicherheit

"Die Idee, Mediation mit Sicherheits- und Vertrauenskompetenzen in Verbindung zu bringen, stammt von Herbert Oth, daher stehen seine Gedanken dazu hier an erster Stelle."

Wie Erfahrungen Sicherheit und Vertrauen fördern können 22.10.2017

Sicherheit ist seit vielen Jahrtausenden ein menschliches Grundbedürfnis. Vertrauen hingegen entsteht in der Regel vorrangig in einem bekannten Umfeld, in dem eine Einschätzung dessen, wer oder was einem gut tut, einfach möglich ist. In unsicheren Zeiten kommt es immer wieder vor, dass Menschen das Vertrauen in sich selbst verlieren und die Entscheidung, sowie die Verantwortung über ihr Leben auf andere übertragen wollen. Das ist jedoch nur sehr eingeschränkt möglich. Einige einfache Tipps helfen dabei, turbulente Lebensphasen selbst sicher und vertrauensfördernd zu meistern.

Sicherheit braucht in erster Linie Vertrauen in sich selbst

Herbert Oth hat viele existenzbedrohende Situationen überlebt. Er war 33 Jahre alt, als er die Diagnose Krebs erhielt und hat dementsprechende Erfahrungen mit Chemotherapien, Operationen und dem Wiederauftauchen der Todesgefahr. Heute – mehr als 30 Jahre danach – zeichnet ihn vor allem die Erfahrung aus, dass er auch in schwierigen Momenten seiner eigenen Intuition trauen kann. Das war nicht immer so. Er spricht verständlicherweise von einem tiefen Schock, aber auch von einer langjährigen ehrlichen Auseinandersetzung mit der Frage, wer er ist und was er will. Heute ist er ein vielseitiger Lebenspraktiker, der in einfachen Worten und für alle verständlich auf den Punkt bringt, worum es geht: „Es gibt Situationen, in denen eine Einschätzung von ‚richtig‘ und ‚falsch‘ nicht möglich ist.“ Daher empfiehlt er, sich an das, was in einem solchen Moment einem Menschen gut tut, schrittweise anzunähern. Diese Verantwortung kann nicht delegiert werden, weil damit sehr viele subjektive Bewertungen verbunden sind. Außenstehende können dabei maximal begleiten und unterstützen.

Auch Expertenmeinungen sind zu hinterfragen

Das Übernehmen von Verantwortung bedeutet für Herbert Oth in erster Linie das selbständige Hinterfragen von unterschiedlichen Meinungen. Er ist überzeugt, dass er heute nicht mehr leben würde, wenn er allen Empfehlungen gefolgt wäre, die ihm behandelnde Ärzte nahelegten. Das will er allerdings nicht als Vorwurf gegen die Ärzteschaft verstanden wissen, sondern viel mehr als Aufruf, sich in wichtigen Fragen so umfassend wie möglich zu informieren. Ist man in der Lage, sich offen mit eigenen und fremden widersprüchlichen Argumenten und Herangehensweisen auseinanderzusetzen, dann ist die Chance deutlich größer, sich selbst, sowie seine Neigungen und Vorlieben besser kennen zu lernen und sich in manchen Fällen auch ganz neu zu entdecken. Dazu meint Herbert Oth: „Leben Menschen im Einklang mit sich selbst, sind sie stark. Ansonsten lassen sie sich verwalten oder manipulieren.“ Er engagiert sich deshalb bereits seit vielen Jahren in der Selbsthilfe und unterstützt dabei jene, die Vertrauen und Sicherheit verloren haben bei dessen Wiedererlangung.

Mit Mediation mehr Vertrauen in die Sicherheit

Mediation wird meistens als ein Verfahren zur außergerichtlichen Konfliktregelung bezeichnet. Vielmehr ist sie jedoch die persönliche Einstellung, Nutzen für alle zu ermöglichen. Diese Haltung ist in unserer Gesellschaft nicht sehr weit verbreitet. Es herrscht eher der Zugang, dass ein persönlicher Gewinn nur durch Verluste von anderen zu erreichen ist. Dadurch schwinden Vertrauen und Sicherheit. In einer pluralistischen Welt, in der sich Werte rascher wandeln denn je, werden Entscheidungen von ‚oben herab‘ deutlich häufiger abgelehnt. Daher schwört Herbert Oth auf folgende Vorgehensweise: „Es wird immer wichtiger, auf Augenhöhe zu agieren. Das erfordert ein rigoroses Umdenken.“ Vertrauen und Sicherheit entstehen nicht von selbst, auch eine Anordnung ist hier wirkungslos. Vertrauen und Sicherheit ergeben sich in erster Linie durch die bestmögliche Abgleichung von unterschiedlichsten Bedürfnissen. Mediation bietet dazu eine optimale Orientierung. Gelingt sie, macht sich üblicherweise auch Gelassenheit breit. Diese ist laut Herbert Oth „... die reife Schwester der Erfahrung.“

Die Geschichte der Sicherheit

Sicherheit stammt von dem Wort 'securitas' ab, das soviel bedeutet, wie ohne Sorge - frei von Unwohlsein - zu sein. Bereits Cicero hat vor mehr als 2000 Jahren die folgende Aussage geprägt: Sicherheit nenne ich die Abwesenheit von Kummer, worin das glückliche Leben besteht." Vor allem das europäische 19. Jahrhundert erhält das Prädikat, dass in dieser Zeit das goldene Zeitalter der Sicherheit zusammenbricht, weil aufgrund sozialer Neuorientierung und technologischem Fortschritt ständig alles für möglich zu halten ist.  Sicherheit wandelt sich somit vom objektiven Zustand der Gefahrlosigkeit hin zu einer Technologie des Risikos - beginnend mit der Selbstsicherheit des einzelnen aber auch einer staatlichen Fürsorge bei unverschuldeter Not. Gleichzeitig entstand die Leitidee der gesellschaftlichen und politischen Sicherheit, in dem der Staat Sicherheit zu garantieren hat. Subjektive Sicherheit verlangt nach bekannten und akzeptierten Regeln, damit das Vertrauen in staatliche Sicherheitssysteme aufrecht bleibt.    

Die führende Organisation in Österreich, die Mediation und Sicherheit in Verbindung bringt, ist das Österreichische Bundesheer. Es betreibt das Referat 'Coaching, Mediation und Teamentwicklung' an der Österreichischen Landesverteidigungsakademie - der höchsten Bildungseinrichtung des Militärs, das Führungskräfte schult, Meinungsbildung macht und international einen ausgezeichneten Ruf genießt. 2018 und 2019 ist ein Forschungsprojekt Mediation und militärische Führung geplant, das Hofrat Günther Fleck als interimistischer Leiter des Zentrums für Menschenorientierte Führung und Wehrpolitik - gemeinsam mit Oliver Jeschonek und Elvira Hauska - initiierte. Die Geschichte rund um die Entstehung des Schwerpunktes Mediation bei den Österreichischen Streitkräften ist in den untenstehenden Publikationen von Hauska Mediation nachzulesen.

Weiterführende Publikationen von Hauska Mediation (Auswahl)