Falldokumentationen

Beispiele sind wichtig, um eine Vorstellungskraft zu entwickeln, in welchen konkreten Situationen welche Handlungen welche Wirkung haben und hatten. Sie dienen als Impulsgeber, zur Reflexion eigener Handlungsmuster und zur Dokumentation vergangener Ereignisse. Somit sind sie nicht nur für eine persönliche Weiterentwicklung zentral, sondern leisten auch einen Beitrag zur gesellschaftlichen Bildung.

Biographisches

Das Leben und Wirken jedes einzelnen  Menschen ist einzigartig. Daher zählen biographische Anekdoten zu den anschaulichsten Dokumentationen überhaupt.

Oliver JeschonekHPEH

Ein sehr plakatives Beispiel dafür ist Oliver Jeschonek. Als 'ehemaliger' Berufssoldat der Streitkräfte Österreichs hat er maßgeblich an der Etablierung der Mediation in dieser Organisation beigetragen. Heute ist er Amtsdirektor und dem Referat 'Coaching, Mediation und Teamentwicklung' der Landesverteidigungs-akademie zugeordnet. Durch seine beruflichen Aufgaben ist er oft mit schwierigen Situationen konfrontiert. Wie er damit umgeht, beschreibt er im Buch 'Zur Kunst des Friedens' folgendermaßen: "Natürlich ist es nicht immer leicht, wenn man stellvertretend für nicht anwesende Führungskräfte die gesamten negativen Emotionen abbekommt. Ich kann deshalb selbst gut damit umgehen, weil ich verstehen kann, warum Menschen sich in solchen Situationen so verhalten. Es ist dann weniger ein persönlicher Angriff auf mich ...".

Mehr von und über Oliver Jeschonek gibt es:

Ein weiteres Beispiel, wie Biographien eigene Lebenserfahrungen vermitteln können, bietet Franz Albel. Als evangelischer Religionslehrer ist er seit 24 Jahren damit beschäftigt, Kindern einen Zugang zur Religion zu ermöglichen. Im Vordergrund steht für ihn dabei die Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern, die seiner Meinung nach nur durch Aufbau von Vertrauen möglich ist. Er meint dazu in einem Artikel für das Magazin EvangelischLeben in Baden folgendes: "Das ist nur dann möglich, wenn Sehnsüchte, Fröhlichkeit, aber auch die ganze Traurigkeit der Kinder im Unterricht Platz haben." Der Einstieg in den Unterricht ist oft ein Beispiel aus seiner Vergangenheit, z.B. die Geschichte, wie er als Kind eine Brille bekam. Dadurch steigt er auf Augenhöhe ins Gespräch mit den Kindern ein, die dann von ihren eigenen Erlebnissen zu erzählen beginnen. Um dabei nicht in einer negativen Schleife verhaftet zu bleiben, bemüht er sich im Laufe einer Stunde, eine Sehnsucht wiederzuentdecken ... die Sehnsucht nach der Freude.

Eine besondere Geschichte kann auch Christina Gabriel erzählen. Als eine der ersten Frauen im Österreichischen Polizeidienst hatte sie immer wieder mit unterschiedlichen Vorurteilen zu tun. Heute kann sie aus diesen Lernerfahrungen Nutzen ziehen, in dem sie neue Wege in der Gewaltprävention geht. Sie arbeitet an einem speziellen Konzept, das von der klassischen Herangehensweise deutlich abweicht. Sie konzentriert sich dabei weder rein auf die Überführung von Tätern oder den Schutz von Opfern, sondern widmet sich den dahinterliegenden Motiven, die zu Hass führen. Das bringt sie zurück zu dem Thema, dass sie jahrelang beschäftigt - Vorurteile. Mehr zu Christina Gabriel findet sich im ersten Beitrag von Elvira Hauska für die Kriminalpolizei im Jahr 2017 (Link zu dem Beitrag im Magazin 'Kriminalpolizei', Download PDF)